Ein 86-Jähriger, das Matterhorn und Laktat zu Sonderpreisen – der 62. SCC Cross Country
Holger berichtet „unserem schönen Bergfest von heute Vormittag“:
Wolfgang Paech ist auch wieder da. Wenn der SCC im November „Cross Country“ ruft, ist er seit mehr als 50 Jahren dabei. Meistens mit Basecap, aber eines von der altmodischen Sorte. Neumodisch braucht er nicht mehr. Wolfgang ist inzwischen 86 Jahre alt, in Worten: Sechsundachtzig. Die offiziell neun Kilometer (tatsächlich sind es an diesem Samstag acht Kilometer) macht er nicht. Wolfgang läuft die Vier-Kilometer-Runde. Er läuft sich ein, dehnt sich, Laufprofi eben.
Samstag Vormittag, 62. Cross Country Lauf des SCC durch den Berliner Grunewald, drei Grad, trocken, Sonne. Bestes Wetter für einen Auslauf. Cross Country klingt so schön — nach gemütlicher Kutschfahrt, vorne schwitzen die Pferde, dahinter entspannt sich der Mensch. Aber das hier wird, wie die wenigsten am Start ahnen können, eine ganz schwere Nummer. Cross und Country bedeutet an diesem Tag dreimal hoch zum Matterhorn, das in Berlin Teufelsberg heißt, und dieser Berg ist tatsächlich ein Teufel: Drei Mal vom tiefsten Punkt auf dem allerschmalsten Grat nach ganz oben. Wer glaubt, er sei schon oben, bekommt von Doktor Laktat noch eine extra Injektion spendiert. Aus echten acht Kilometern werden gefühlte 18 Kilometer, mindestens. Die Beine schreien, die Muskel brennen, der Kopf sagt: „Ich will ins Ziel, sofort, bitte, sofort!“
Michael führt die Cross Country-Seilschaft der Claus Runners an. Er ist der Älteste, er muss es wissen. Holger und Emil folgen. Michael muss immer mehr Seil nach unten lassen, je länger das Rennen dauert. Irgendwo hängt auch noch Reiner Braun am Berg. Sie schlagen imaginäre Sicherungshaken in den Teufelsberg, weil bei so viel Laktat und gefühlt 28 Prozent Steigung, könnte so ein Seil, an dem sie sich weiter nach oben ziehen, wirklich helfen. Tempo an dieser einen Stelle: garantiert nicht schneller als 7:45 pro Minute, Puls 170 plus X.
Super Samstag. Bergab — das soll es an so einem Cross Country-Tag ja auch geben — schleudern die Beine weitgehend unkoordiniert der Talstation entgegen, janz dicke Beene. Unten wird schon Laktat zu Sonderpreisen verkauft. Ins Ziel sind es da noch rund 1,3 Kilometer. Wie bitte? Zum Schluss wartet tatsächlich noch die Sonderwertung mit Preis: Wer läuft die schnellsten letzten 400 Meter? Hört doch auf! Oh Matterhorn, wie bist Du schön? Wolfgang Paech will nächstes Jahr übrigens wieder kommen. Dann ist er 87 Jahre jung. Und nicht zu alt für Teufelsberg, Matterhorn und den SCC Cross Country.
ERGEBNISSE
BILD VON MIRIAM

